Die Kein-Thema-Rosinenbrötchen

Na, dann wollen wir mal mit diesem Blog starten. Und was ist das Thema dieses Beitrages? – Keine Ahnung. Ich habe mittlerweile drei Wochen darüber nachgedacht, mit welchem tollen Thema ich diesen ersten Blogbeitrag ausschmücken könnte, wann der richtige Zeitpunkt ist und ob mir nicht doch noch ein besseres Startthema einfällt. Soll ich Euch sagen, was rauskam? – Gar nichts kam raus. Mir ist einfach nichts passendes eingefallen. Keine super Eye Catcher Überschrift, kein extrem aufregender Topic, der die Leser fesselt. Und wisst ihr was das Beste daran ist? – Die Tatsache, dass es so ist. Die Tatsache, dass das Streben nach Perfektionismus und nach dem Besten, dem Schnellsten, dem Größten die Kreativität blockiert und am Schluss nur noch mehr Fragezeichen im Kopf rumschwirren als zuvor. Heute ist mein Fragezeichentopf übergelaufen und ich hatte das Bedürfnis, diese kleinen Symbole aus meinem Kopf herauszuschütteln. Wenn man die ganze Zeit um ein Fass voll Trauben rennt, werden diese dadurch nicht zu Saft, da muss man manchmal ins kalte Wasser – bzw. in die kalten Trauben springen und drauf losstampfen, sich dem Problem stellen, es ausmerzen. In meinem Falle darüber schreiben, dass ich nicht weiß, über was ich schreiben soll, somit weiß ich ja aber eigentlich doch worüber ich schreiben kann, nämlich übers Nicht-Schreiben-Können. Sokrates würde jetzt sagen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“


Aber nun zurück zum Thema, dem Kein Thema. Woher kommt das, dass wir uns immer erst fünfmal Gedanken machen, 10 Mal im Kreis laufen, zwei Mal in die Hände klatschen, einmal auf den Boden stampfen und noch viermal in den Himmel schauen, bevor wir eigentlich das sagen, was wir sagen wollen, das tun, was wir eigentlich tun wollen? Warum legen wir uns erst die richtigen Worte zusammen, bevor wir etwas aussprechen, was so oder so wehtun wird? Brauchen wir diese Pause, um doch noch einmal abzuwägen, ob eine Lüge nicht vielleicht doch besser wäre? Besser als die Wahrheit? Ich weiß es nicht. Ich denke aber auch selten darüber nach, was ich sage. Ich rede einfach los. Meistens bevor ich anfange zu denken. Schon als Kind. Oft heißt es dann: „Jana, erst denken, dann reden!“ Aber warum? Warum filtern wir alles, was wir sagen wollen? Warum lassen wir oft die Hälfte weg? Warum nicht einfach mal sofort los reden, wenn einem danach ist? Natürlich kommt da auch bei mir oft und viel Unsinn raus, aber warum auch nicht? Ich bin doch nicht Wikipedia und selbst das weiß nicht alles. Ich picke auch nicht die Rosinen aus dem Brötchen. Dann kaufe ich mir gleich ein anderes Brötchen, bevor ich anfange jede einzelne Frucht herauszupulen. Aber warum picken wir also die Rosinen aus unseren Worten? Wollen wir dem anderen nur die weiche Semmel geben, ohne störende Rosinen? Ist es nicht seine Entscheidung, ob er die Rosinen mitessen möchte? Vielleicht stellt er ja fest, dass Rosinen gar nicht so schlecht schmecken? Warum mache ich mir also so einen Kopf darum, welches Thema dieser erste Beitrag haben soll? Weil wir uns alle über Jahre hinweg Normen angepasst haben. Weil wir "alle" Stöcke im Arsch haben und ständig versuchen jemand anderem zu gefallen und uns dabei vergessen. Weil wir den Menschen ein Rosinenbrötchen ohne Rosinen servieren, damit sie uns dafür loben, wie toll wir Rosinen pulen können. Super! Weil wir uns nicht trauen auszusprechen, was wir wirklich denken.


Die meisten von Euch werden jetzt sagen: „Ja, aber das mache ich doch nur, um den anderen nicht zu verletzen!“ Machst Du das wirklich? Oder hast Du einfach Angst davor, dass er sauer auf Dich sein könnte? Angst vor Ablehnung? Damit meine ich nicht, dass man den anderen beleidigen soll. Aber wie oft habe ich erlebt, dass jemand auf jemanden sauer war, weil der erste jemand dem zweiten jemand weh getan hat, aber der zweite jemand hat nun Angst, wenn er dies sagt, dem ersten jemand weh zu tun. Meine Mutter würde jetzt sagen: „Der Ton macht die Musik!“ Ich persönlich überlege nicht was ich sage, sondern wie ich es sage. Ich picke die Rosinen nicht aus dem Brötchen, ich mache mir stattdessen Gedanken darum, ob ich ihm das Stück Gebäck an den Kopf werfe oder auf einem Silbertablett serviere. Warum mache ich mir also drei Wochen einen Kopf? Weil ich gefallen möchte, weil ich möchte, dass dieser Beitrag ankommt und der erste Eindruck meines Blogs toll ist. Aber toll heißt nicht, dass es konform sein muss. Toll finde ich viel mehr, wenn ich hier schreibe, was ich denke. Was ICH denke, was ich gerade schreiben will. Ohne jemandem zu gefallen! Wenn ich hier über Rosinenbrötchen und Traubensaft schreiben möchte, dann tu ich das. Und wenn nicht eine einzige Person bis hier hin gelesen hat, ist das okay! Aber ich werde deswegen nicht aufhören über – jetzt kann ich es dann bald selbst nicht mehr lesen – Rosinenbrötchen zu schreiben, nur damit ein anderer den Beitrag bis zum Schluss liest. Rosinen, Brötchen, Trauben, Punkt.

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